Evrim Sommer

Feuer, Angst und Zivilcourage

27.03.2010

Feuer, Angst und Zivilcourage

Persönliche Anmerkungen zum Brandanschlag auf mein Auto

Am frühen Morgen des 26. März 2010 wurde ich vom Klingeln an meiner Haustür geweckt. Zwei Polizisten erklärten mir, dass mein Auto Ziel eine Brandanschlags geworden sei. Man führte mich zum Parkplatz. Um mein Auto waren Absperrbänder gezogen. Die Beamten schilderten mir den Tathergang. Ein Unbekannter, so erklärten sie, hatte auf die beiden rechten Reifen jeweils drei Kohleanzünder gelegt und Benzin über das Verdeck gegossen. Der Täter wollte sicher gehen, dass das Auto auch wirklich verbrennt. In der Regel werden Anschläge etwa auf Luxusautos mit weit­aus weniger Aufwand durchgeführt. Mein Auto war darüber hinaus alles andere als ein solches Luxusfahrzeug. Alles deutete darauf hin, dass der Täter gezielt mich treffen wollte.

Ein Nachbar, so erfuhr ich von der Polizei, hatte beobachtet, wie ein Mann mit besonderer Zielsicherheit die Brandsätze am Auto deponierte. Solches professionelles Vorgehen ist beängstigend, insbesondere weil es nicht der erste Anschlag auf mein Auto war. Bereits vor mehr als einem Jahr hatte ein Unbekannter eine Plastikkappe mit Nägeln in meinen Reifen gesteckt. Damals hatte ich diesem Vorfall kaum Bedeutung beigemessen. Vor einer Woche jedoch merkte ich in meinem Auto einen beißenden Gestank, der an Erbrochenes erinnerte. Mittlerweile ist sicher, dass jemand Buttersäure in die Lüftung meines Autos gespritzt hatte, so dass es unbenutzbar wurde.

In den letzten Jahren und Monaten gab es immer wieder von rechter Seite Drohungen gegen meine Person. Auf Webseiten von Neonazis wurde persönlich gegen mich gehetzt. Die Polizei und ich vermuten demnach, dass der Täter aus dieser Szene kommt. Durch meine offene antifaschistische Arbeit bin ich den Nazis ein Dorn im Auge.

Doch werde ich mich nicht einschüchtern lassen und meine Arbeit weiter führen. Unsere Angst wäre ihr Triumph.

Und doch gibt es eine Sache, die mir Mut macht, weil sie zeigt, dass es möglich ist, durch Zivilcourage solche Anschläge zu verhindern. Der Täter hatte nämlich die Rechnung ohne einen älteren Herrn gemacht, der zufällig die Tat beobachtete. Er rief aus dem Fenster, der Mann solle verschwinden. Dies tat der Täter, bevor er alle Brand­sätze zünden konnte. Der Herr eilte im Pyjama hinunter zum Auto und fischte die brennenden Kohleanzünder mit seinen Pantoffeln aus den Radkästen. Wäre er nur zwei Minuten später gekommen, hätte sich das Feuer tief in mein Auto gefressen. Es wäre ausgebrannt, sowie wohl auch die daneben geparkten Fahrzeuge. Dies ist ein bewegendes Beispiel für Zivilcourage. Dieser Mann kannte mich nicht und ihm war auch nicht der Hintergrund der Tat bekannt. Ohne zu zögern aber mischte er sich ein und verhinderte damit das Schlimmste. Zu wissen, dass es Menschen wie ihn gibt, macht mir Mut und bestärkt mich in meiner Arbeit. Diesem Mann möchte ich hiermit noch einmal meinen tiefsten Dank aussprechen.

 

Quelle: Evrim Baba-Sommer: Editorial, in: Newsletter 05/2010.

Startseite | Sitemap | Impressum