Evrim Sommer

Internationaler Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und seine Abschaffung

Internationaler Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und seine Abschaffung

In der Nacht zum 23. August 1791 begann die Sklavenrevolte in Santo Domingo, die eine entscheidende Rolle bei der Abschaffung des transatlantischen Sklavenhandels spielte. Am 23. August begeht die UNESCO den "Internationalen Tag zum Gedenken an den Sklavenhandel und seine Abschaffung". Dieser Tag soll jedes Jahr an das Schicksal der Menschen erinnern, die aus ihrer Heimat verschleppt und als Sklaven verkauft wurden.

Die Industriestaaten, insbesondere die europäischen Kolonialmächte, aber auch die USA und Japan weigern sich nach wie vor, die verheerenden und nachhaltigen Wirkungen der Kolonisation anzuerkennen und Reparationen für 400 Jahre Versklavung und Kolonialismus zu leisten. Schätzungen zufolge fielen in den dreihundert Jahren zwischen 1550 und 1850 rund fünfzig Millionen Afrikaner dem Sklavenhandel zum Opfer. Ohne die unbezahlte Arbeitskraft der Sklaven wäre die von England ausgegangene industrielle Revolution nicht möglich gewesen. Auch Dank des aus dem Sklavenhandel akkumulierten Kapitals habe sich der Westen zur "ersten Welt" entwickelt. Bis heute müssen sie den ihnen von den Industrieländern zugewiesenen Platz in der Weltwirtschaft einnehmen. Ihre Kunstgegenstände, aber auch Gold, Diamanten und andere Mineralien, die gerade in den letzten Jahren der Kolonialherrschaft massenhaft den Kontinent verließen und sich heute teilweise noch im Besitz auch deutscher Museen und Kunstsammlungen befinden, werden jedoch zunehmend zurück gefordert.

Sklaverei, also die vollständige Verfügungsgewalt über das Leben eines Menschen, der verkauft, gewaltsam verschleppt, aller Rechte beraubt und bis zur physischen Vernichtung ausgebeutet werden kann, ist aber nur auf dem Papier abgeschafft worden. Formen moderner Sklaverei sind vor allem Menschenhandel, Kinderarbeit, Zwangsprostitution, Kindersoldaten und der Einsatz von Kindern im Drogenhandel bis hin zu klassischen Formen der Leibeigenschaft und wirtschaftlichen Ausbeutung. Der Sklaverei-Forscher Kevin Bales schätzt, dass heute mindestens 27 Millionen Menschen in Sklaverei-ähnlichen Verhältnissen leben, wobei er Armut, Kinderarbeit und Prostitution von Sexsklaven, Arbeitssklaven und Kindersklaven unterscheidet und nicht in diese Zahl miteinbezieht.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) der UN schätzt, dass pro Jahr 700.000 Menschen über Landesgrenzen hinweg verschleppt werden. Laut Internationaler Arbeitsorganisation (ILO) sind 250 Millionen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren wirtschaftlich aktiv. Davon müssten 74 Millionen Kinder weltweit gefährliche Arbeiten verrichten. UN-Einrichtungen schätzen, dass 5,7 Millionen Kinder weltweit Opfer von Zwangsarbeit oder Leibeigenschaft und 1,2 Millionen Kinder Opfer von Kinderhandel sind. Eine Million, vor allem Mädchen, würden jedes Jahr zur Prostitution oder Pornografie gezwungen.

Die Konsument_innen in jenen Ländern, die sich für frei von extremer Ausbeutung halten, sind auch über den Weltmarkt mit der Problematik verwickelt. So wird in der Textilindustrie, dem Kaffee- und Kakaoanbau, der Edelsteinverarbeitung, der Lederindustrie oder der Teppichherstellung weltweit auch unter den Bedingungen von extremer Ausbeutung und Sklaverei produziert. Von den unter diesen Umständen produzierten "Billigprodukten" profitieren letztlich vor allem die Konsument_innen in den Industrieländern. Aber auch bspw. in Hotels oder der Gastronomie, in der Prostitution oder als Dienstmädchen, im Baugewerbe, als Gebäudereiniger oder als Ladearbeiter - im und um den Flughafen - vor allem die Fülle schlecht bezahlter Jobs wird in den Industriestaaten besonders mit Migrant_innen in abgestuften Ausbeutungsverhältnissen Profit erwirtschaftet. Illegalisierte sind begehrte Arbeitskräfte, ihre Rechtlosigkeit macht sie zu modernen Sklaven dieser Gesellschaft.

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