G8, Afrika und Kolonialismus
von Evrim Baba (Entwicklungspolitische Sprecherin) und Franziska Hornbogen (Afrikawissenschaftlerin/Historikerin M.A.)
Am 25. Mai, dem so genannten Afrikatag, begann die „Woche der Solidarität mit den Völkern der Gebiete ohne Selbstregierung“; gemeint sind die ehemaligen Kolonien. Allerdings behaupten die einstigen Kolonialmächte bis heute ihre politische, ökonomische und militärische Vormachtstellung. Ein Instrument dafür sind die so genannten „Wirtschaftspartnerschaftsabkommen“ (EPA's). Für viele Länder des Trikont heißt das, dass sie für 80% der EU-Produkte einen zollfreien Marktzugang gewähren müssen. Und das nur, damit sie einige der Präferenzen, die sie auf dem EU-Markt haben, ab Januar 2008 beibehalten können.
Dieser nach außen gerichtete Kolonialismus wird gestützt durch einen nach innen wirkenden Kolonialismus als mentale Struktur. Diese spiegelt sich aktuell auch in Diskussionen um die Rückgabe von zweifelhaft erworbenen Kulturgütern wider, die noch heute selbstverständlich als Teil des eigenen Kulturbesitzes betrachtet werden. Für eine mangelhafte mentale Dekolonisierung steht aber auch die Weigerung, sich öffentlich mit Forderungen nach Reparationsleistungen, wie Namibia sie beispielsweise an die BRD stellt, auseinanderzusetzen. Dabei ginge es nicht nur darum, das historische Gedächtnis der Öffentlichkeit in den ehemaligen „Erobererstaaten“ aufzufrischen, ihr „moralisches Gewissen“ zu schärfen und ein „gesundes Unrechtsbewusstsein“ zu schaffen, sondern die breite Palette von Benachteiligungen in den internationalen Beziehungen, denen die einstigen Kolonien bis heute durch die einstigen Kolonialmächte ausgesetzt sind, zu thematisieren. Schließlich ist es ein legitimes Anliegen, „unter den Menschen im Westen und den lokalen Eliten der armen Länder das Bewusstsein für die Pflichten zu schärfen, die sie gegenüber den seit langem ausgebeuteten Armen weltweit haben.”, wie es der Priester Tissa Balasuriya aus Sri Lanka zusammenfasst.
Ausgerechnet jene Staaten, die verantwortlich sind für die Aufrechterhaltung eines globalen Ausbeutungssystems, nämlich die so genannten G8, rücken Afrika in den Mittelpunkt ihres Gipfels in Heiligendamm. Jene, die zu verantworten haben, dass die sozialökonomischen Ursachen von Armut und Unterdrückung aufrechterhalten bleiben und davon profitieren, wollen „Reformpartnerschaften“ mit afrikanischen Staaten schließen. Entgegen öffentlichen Bekundungen geht es darum, gute Regierungsführung im Sinne sozialer Gerechtigkeit zu verhindern und Strukturen zu schaffen, die private Investitionen erleichtern, Korruption im EU-Interesse zu stützen und ihren Zugang zu Rohstoffen zu sichern. Für den Schutz vor den Auswirkungen ihrer Politik sollen die ausgebeuteten Länder verpflichtet werden. Denn obwohl die EU gegenüber Flüchtlingen eine systematische Politik der Abschottung, Abweisung und Auslagerung verfolgt, werden lediglich die Risiken und Kosten des illegalisierten Grenzübertritts erhöht. Etwa 6.000 Menschen starben bisher allein auf dem Weg von Westafrika zu den Kanarischen Inseln. Doch Flucht und Migration sind untrennbar mit globalen Gewalt-, Ausbeutungs- und Abhängigkeitsverhältnissen verflochten. Denn wie das Motto der „Karawane für die Rechte von Flüchtlingen und MigrantInnen“ auf ihrem Weg zu den G8-Protesten schon sagt: “Wir sind hier, weil ihr unsere Länder zerstört!”



